Biotonne für's Holen oder Biotönnchen für's Bringen?

Position der Grünen im Kreistag zum Bioabfall: Holen oder Bringen?

Bioabfall ist ein wertvoller Rohstoff. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht deshalb die Getrennterfassung und Verwertung von Bioabfall vor. Zur Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes hat der Landkreis für das „Bringsystem“ einen Pilotversuch gestartet, an dem auch der Wertstoffhof in Bad Aibling teilnimmt. Sieht man aber genau hin, zeigt sich: Nur die Biotonne ist ökoeffizient und tauglich. Das Bringsystem bringt‘s nicht.

Nur wenige, 15% der Befragten auf den Wertstoffhöfen, hatten Zeit und Lust, einmal oder mehrmals in der Woche Küchenabfälle zum Wertstoffhof zu bringen. So beschreibt es eine Nutzerbefragung des bifa-Umweltinstituts, die zum Pilotversuch des Landkreises auf vier von zehn am Versuch teilnehmenden Wertstoffhöfen durchgeführt wurde.

Entsprechend gering ist die gesammelte Menge Küchenabfälle, nämlich hochgerechnet aufs Jahr deutlich weniger als 1 kg (690 g) pro Einwohner.
Demgegenüber werden im Landkreis Miesbach pro Einwohner und Jahr 105 kg, im Landkreis München 77 kg, im Holsystem mit der Biotonne gesammelt und sowohl stofflich (Kompost, Erde) wie energetisch (Strom, Wärme) verwertet – gut hundertmal mehr als im Bringsystem.

Mit dem Bringsystem ist eine hohe Verkehrsbelastung verbunden. In der Regel, laut bifa-Befragung 93%, wird der PKW benutzt und zwar in 26% der Fahrten ohne Kombination mit anderen Erledigungen.
Würden tatsächlich 70 bis 100 kg Bioabfall pro Einwohner im Bringsystem übers Jahr in unzähligen Einzelfahrten von den Haushalten zu den Wertstoffhöfen transportiert, dann würde der Verkehr rund um die Wertstoffhöfe deutlich zunehmen und der ökologische Nutzen einer Bioabfallerfassung dadurch konterkariert.

Salatblatt, Pizzarest und Co. landen wohl häufig im Restmüll und werden im Müllheizkraftwerk in Burgkirchen (Landkreis Altötting) mit verbrannt. Organische Substanz geht so dem Stoffkreislauf verloren und damit auch wertvolle Pflanzennährstoffe wie die knappe Ressource Phosphat.
Bis zu einem Drittel nasser Bioabfall kann laut Umweltbundesamt im Restmüll enthalten sein. Er „beschwert aber den Transport“ und stört die Verbrennung.

Dabei können Kompost und Erden, die aus Bioabfall und Grüngut entstehen, in der Landwirtschaft und im Gartenbau Kunstdünger und Torf ersetzen und den Humusaufbau fördern.

Kompostieren im eigenen Garten kann Spaß machen und ist sinnvoll, findet vermutlich aber weit weniger statt als angenommen und ist in Siedlungsbereichen mit Geschosswohnungsbau gar nicht möglich.
Selbst zu kompostieren erfordert Platz und ist mit Aufwand verbunden. Vielen Senioren und Familien mit Kindern fehlt dazu die Kraft oder Zeit. Zu Gartenarbeit und Kompostieren hat auch schlicht nicht jede oder jeder Lust. So ist es verständlich, dass die Biotonne als bequeme Alternative, da wo sie angeboten wird, gerne angenommen wird.

In vielen Gärten fallen gelegentlich größere Mengen Schnittgut an, die nicht in die Biotonne gehören, sondern auch weiterhin zu den Grüngutsammelstellen gebracht werden sollen.
Die Biotonne macht die Kompostierungsanlagen deshalb nicht überflüssig. Es ist auch weiterhin sinnvoll, größere Mengen Schnittgut aus dem Garten dort kompostieren zu lassen. Holzhaltige Bestandteile werden in der Anlage aussortiert und als Brennstoff in Biomasseheizkraftwerken eingesetzt.
Nasse Bio- und Speiseabfälle aus der Biotonne sind dagegen besser geeignet für eine Vergärung mit Biogasnutzung und anschließender stofflicher Verwertung durch Kompostierung der Gärreste.

Fazit

Das Bringsystem für Bioabfall hat bereits jetzt im Pilotversuch deutlich gezeigt, dass keineswegs ähnlich große Sammelmengen wie mit der Biotonne und dem Holsystem erzielt werden können.

Das Bringsystem ist eine Scheinlösung zur Erfüllung der Vorgaben aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz. Relevante Mengen Bioabfall kommen damit nicht zustande. Ökoeffiziente Getrennterfassung und Verwertung von Bioabfall in nennenswertem Umfang kann ein Bringsystem nicht leisten. Dies zeigt nicht nur der Pilotversuch des Landkreises schon nach vier Monaten, auch die Erfahrungen anderer Landkreise, Städte und Gemeinden untermauern dies.
Eine Fortführung des Versuchs und Ausdehnung auf den gesamten Landkreis lässt sich daraus nicht ableiten und begründen. Im Gegenteil sollten die Erkenntnisse aus dem Pilotversuch dazu führen, dass sich der Landkreis verstärkt mit der Einführung eines effizienten Holsystems befasst, wie es auch in anderen bayerischen Flächenlandkreisen längst bewährte Praxis ist.
Dass eben dies nicht geschieht, deutet darauf hin, dass wir es in Wirklichkeit mit dem Versuch zu tun haben, die Intention des Kreislaufwirtschaftsgesetzes zu unterlaufen.

Die Grüne Fraktion möchte den Landkreis Rosenheim hier nicht länger bei den Schlusslichtern in Bayern und im Bund sehen. Auch eine weitere Mahnung der Regierung von Oberbayern zur ernsthaften Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes sollten wir besser vermeiden.

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